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Haru Keiko 2011 in Ludwigshafen
Drei Tage voll mit abwechslungsreichem Training bei vier internationalen Trainern inklusive gemütliches Beisammensein am Abend und strahlendem Sonnenschein zwischen den Trainingseinheiten – das ist die Kurzzusammenfassung des Haru Keikos 2011 in Ludwigshafen.
Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag tummelte sich eine stattliche Anzahl Karatekas – wie immer bunt durchmischt aus sämtlichen Städten Deutschlands, aus Belgien und Luxemburg – in der Stadt am Rhein. Das To Shin Kan Dojo als Ausrichter sorgte für einen reibungslosen Ablauf des dreitägigen Lehrgangs.
In ihren Trainingseinheiten konzentrierten sich die Trainer Sensei Dirk Heene (8. Dan),Sensei Pascal Petrella (6. Dan) sowie Sensei Juan-Pablo Delgado (4. Dan) und Sensei Nico Ibscher (4. Dan)jeder auf ein anderes Thema, so dass es garantiert nicht langweilig wurde. Als perfekte Ergänzung bot Sensei Peter Peschel für Frühaufsteher morgens vor dem ersten Training eine Einheit QiGong an.
Ganz persönlicher Höhepunkt waren am Samstagabend die Gürtelprüfungen. Dabei traten einige Kyugrade an und zwei Dan-Anwärter aus Ludwigshafen. David Peter und Patricia Passalacqua krönten mit ihrer erfolgreichen Prüfung zum ersten Dan für das To Shin Kan Dojo die erste Ausrichtung des Haru Keikos – herzlichen Glückwunsch.
Sensei Dirk konzentrierte sich in seiner Oberstufeneinheit auf verschiedene Kihon-Kombinationen mit unterschiedlichen Empi-techniken, die dann später auch gemeinsam mit dem Partner geübt wurden. So entstanden nach und nach fünf komplizierte Kumite-kombinationen, die jeweils verschiedene Blocks mit offenen Händen enthielten und diverse Fußtechniken sowie Drehungen und besagte Ellenbogentechniken als Kontertechniken. Um zu gewährleisten, dass die Empi-techniken möglichst korrekt ausgeführt wurden, begann Sensei Dirk damit, die Empi-techniken in der Grundschule zu üben und verband sie mit verschiedenen Ständen. So kombinierte er beispielsweise Otoshi-Empi mit Neko Ashi Dachi , Mawashi-Empi mit Fudodachi, Ushiro-Empi mit Kokutsu Dachi, Yoko-Empi mit Kiba Dachi und Mae-Empi mit Zenkutsu Dachi. Bei seinen Erläuterungen zu den verschiedenen Techniken und Ständen zeigte sich wieder einmal Sensei Dirk Heenes unerschütterlicher Humor. So meinte er einmal zu einer Schrittbewegung, die scheinbar nicht allen so ganz leicht von der Hand beziehungsweise von den Beinen ging, ermutigend: „You only have two legs – octopus very difficult!“
Bildlich sehr einprägsame Zitate gab es auch bei Sensei Nico Ibscher in seiner Trainingseinheit. Er erklärte bei die „sieben grundlegenden Bewegungsformen bis zum ersten Dan“ und betonte die Wichtigkeit einer sauberen Beinarbeit, besonders für die Oberstufe, die ja ein Vorbild für die Unter- und Mittelstufe sein soll. Kurz und gnadenlos meinte er zur Vorbildfunktion der Oberstufe: „Ist das Original scheiße, ist die Kopie scheiße“ – wenn das mal nicht einleuchtend ist. Also ging es an 90 Minuten schweißtreibendes Training, in denen die sieben Bewegungsformen Kae-ashi, Suri-ashi, Tsugi-ashi, Kirikaeshi, Oikomi, Kai-ten (360-Grad-Drehung) und ein diagonaler Tsugi-ashi. Kombiniert dazu wurden je nach Schrittart Oizuki, Gyaku-zuki oder Gyaku-uraken. Dabei rückte Sensei Nico Ibscher immer wieder die Effektivität sowie die Gesundheit bei den Erklärungen der jeweiligen Schrittbewegungen und Endstellungen in den Mittelpunkt. Warum er ausgerechnet mit der Oberstufe dieses intensive Grundschultraining absolvierte, war auch schnell und schön erklärt: „Die Häuptlinge müssen auch mal wieder zu Indianern werden“, so Sensei Ibscher breit grinsend.
Ähnlich schweißtreibend ging es in der Oberstufeneinheit von Sensei Pascal Petrella weiter. Er legte viel Wert auf einen stabilen Stand und fragte immer wieder nach, ob auch jeder Übenden seine werten vier Buchstaben, das Becken oder die Oberschenkel spüre – schließlich müsse das alles angespannt sein. Daher eröffnete Sensei Pascal Petrella das Training mit einigen Stabilitätsübungen, bei denen ein Partner die Stabilität des Stands überprüfte. Danach ging es ohne Partner weiter und Sensei Pascal Petrella erarbeitete mit der Oberstufe in 90 Minuten eine langatmige und anspruchsvolle Kihon-Kombination, bei der die Köpfe ordentlich zu rauchen begannen. Mit vielen Hen-te-techniken sowie diversen Drehungen und Richtungswechseln schaffte er es so, in dem einen oder anderen Gehirn einen netten Knoten zu platzieren. Trotzdem spornte er unermüdlich weiter zu Höchstleistungen an: „Gebt euch nie mit 90 Prozent zufrieden!“, forderte er und trotz Knoten im Gehirn legten sich doch alle noch einmal mächtig ins Zeug, um dieser Forderung nachzukommen. Auch der Trainer mit dem längsten Anreiseweg, Sensei Juan-Pablo Delgado aus Cádiz in Südspanien, hatte sich eine spannende Trainingseinheit für die Oberstufe ausgedacht. Zuerst übte er den Ablauf und die technischen Finessen der Kata Jitte. Anschließend ging er zum Bunkai der Kata über. Er zerlegte die Kata sozusagen in mundgerechte Häppchen und so war die Halle bald mit kleinen Dreiergruppen übersät, die einige verschiedene Anwendungsbeispiele aus der Kata gemeinsam übten. Dabei verging die Zeit dann auch wie im Flug.
Überhaupt hieß es nach dem Wochenende viel zu schnell wieder Abschied nehmen, zusammenpacken und nach Hause fahren. Aber: das nächste Haru Keiko kommt bestimmt. Und 2012 fällt der erste Mai auf einen Dienstag – da könnte dann also ein längeres Haru Keiko werden als „nur“ drei viel zu kurze Tage.
Cassandra Lajko |