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Dirk Heene in Freiburg 29.01.2011 PDF Drucken E-Mail

Dirk Heene in Freiburg am Samstag, 29. Januar 2011

 

Zum 50-jährigen Jubiläum des Dojos hat das Karate-Dojo Freiburg wie eigentlich jedes Jahr im Januar zum Lehrgang mit Dirk Heene aus Belgien eingeladen. Zur Begrüßung am Samstagmorgen blickte Roland Reiszek, Erster Vorsitzender des KD Freiburg, auf die 50-jährige Geschichte des Dojos zurück. Dabei betonte er besonders die jahrelange Verbundenheit und Freundschaft zu Dirk, der das Dojo in seiner Entwicklung seit langem unterstützt.

Nach den Worten folgten Taten und Dirk begann mit der ersten Trainingseinheit. Zum Aufwärmen demonstrierte er einige Atemübungen, die er ausführlich erklärte. Leider war es in der ansonsten sehr schönen Fechthalle der Sport-Universität ziemlich frisch, so dass die Atemübungen mit ihren langsamen Bewegungen im Stand nicht gerade perfekt waren, um sich schnell und gründlich aufzuwärmen, aber irgendwann hatte es dann vermutlich jeder geschafft, seine  Muskulatur auf eine funktionsfähige Betriebstemperatur zu bringen und die Atemübungen waren wie immer eine interessante Ergänzung zum „normalen Karate Training“.

 

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„Angsthasen-Strategie“ sollte bitte nicht ausgelebt werden


Nach dem intensiven Warm-Atmen begann Dirk mit einigen Kihon Kombinationen. Er kombinierte Kizami-, Gyaku- und Oi-zuki mit verschiedenen Step- und Gleitschritten. So beschäftigte er die Unter- und Mittelstufe wohl vor allem koordinativ während sich die Oberstufe der Technik widmen konnte. Später wurden die Kihon Kombinationen in ein einfaches Kumite umgewandelt, bei dem die Abfolge genau gleich blieb. Der Partner hatte die Aufgabe, immer nur den ersten Angriff der verschiedenen Kombinationen zu blocken, den zweiten aber zuzulassen und lediglich als Ziel zu fungieren – wobei der Partner idealerweise abstoppen sollte, bevor er sein Ziel traf. Dirk betonte die Schwierigkeit, bei einem Jodan-Angriff nur als Ziel dazustehen und nicht zurückzuweichen. Mit seinem charmanten Akzent erklärte er: „So einen Angriff mag ich natürlich nicht in meinem Gesicht!“ Trotzdem sei es eine wichtige mentale Übung, still stehen zu bleiben und dem Angriff nicht auszuweichen. Dieses von Dirk als „Angsthasen-Strategie“ bezeichnete Ausweichen müsse unterdrückt werden. Nach einem wunderbar unterhaltsam pantomimisch dargestellten Jodan-Treffer meinte Dirk sehr anschaulich: „Eine Woche Joghurt!“ Damit wäre also auch geklärt, warum der Angreifer seinen Partner bitte nicht unkontrolliert treffen sollte.

Schauspieleinlage liefert einprägsame Erklärung für Zanshin

Ebenfalls wichtig sei das Zanshin, die dauernde Aufmerksamkeit. Mit viel zu großen Gesten für einen recht kleinen Mann wie Dirk demonstrierte er, was er damit meinte und schlüpfte flugs in die Rolle zweier sich wild gebärdenden Samurai, die gegeneinander kämpfen. Seine Darstellung, wie der eine Samurai dem anderen den imaginären Kopf abschlug, danach wild und unachtsam jubilierte und genau dann vom noch lebenden wenn auch kopflosen Samurai Nummer eins noch ein fiktives Schwert in den Bauch gestoßen bekommt (Hühner laufen ja ohne Kopf auch noch kurz durch die Gegend) war absolut filmreif. Und sie machte definitiv klar, warum Zanshin so wichtig ist und warum man seinen Gegner nie aus den Augen lassen sollte. Als Dirk wieder Dirk und kein knurrender Samurai mehr war, meinte er: „So ein Samurai war kein normaler Typ. Das war ein Verrückter!“ Das mit dem Zanshin hatten die meisten von ihnen aber wohl trotzdem drauf. Diese amüsante Schauspieleinlage verhalf wohl vor allem der Unterstufe und den jüngeren Karatekas zu einem schnellen Verständnis von Zanshin. Und so kompliziert es manchmal auch sein mag, all die verschiedenen japanischen Begriffe im Kopf richtig abzuspeichern – Zanshin erhält dank dieser bildhaften Demonstration bestimmt bei einigen einen Ehrenplatz in den grauen Zellen.
Nach der ersten gemeinsamen Trainingseinheit gab es eine kurze Verschnaufspause für die Unterstufe bevor es mit ihrer zweiten Einheit weiterging. Die Oberstufe konnte sich im Cafeteria Bereich der Sport-Uni etwas länger erholen. Wer wollte, konnte zum Shiatsu bei Monika Schweisfurth. In der zweiten Einheit startete Dirk wieder mit einer Kihon Kombination, dieses Mal jedoch mit mehr Techniken und auch die Beine durften jetzt n Form von Yoko- und Mawashigeri eingesetzt werden.


Training in der „Knoblauchdistanz“ des Partners


Auf die Anwendung am Partner verzichtete Dirk. Dafür ergänzte er die Einheit um ein kurzes Ablauftraining der Kata Tekki Nidan, deren ersten fünf Techniken er dann in eine kurze Bunkai Sequenz packte: Der Partner griff von hinten an, indem er versuchte, den Verteidiger von hinten zu umgreifen. Der Verteidiger ging etwas in die Knie, platziert mit einer leichten Oberkörperdrehung einen Empi auf den Rippen des Angreifers, drehte sich aus den Armen des Gegner und konterte nocheinmal mit einem Zuki. Danach folgten zwei Maegeris des Angreifers, von denen der erste geblockt wurde. Beim zweiten Angriff sollte der Verteidiger auf den Angreifer zugehen, sein Bein bereits bei Ansatz von Maegeri packen und dann den Partner ausheben und werfen. Der Parkettboden der Fechthalle ließ den Wurf jedoch eine theoretische Weiterführung des Aushebens bleiben. Dirk betonte, dass die Tekki Katas für den Nahkampf ausgelegt seien. Beim Bunkai solle man darauf achten und immer nah am Partner stehen – in der sogenannten „Knoblauchdistanz“ –lecker.
Nach abschließenden Qigong-Übungen, die das Training zu einem runden und entspannenden Abschluss kommen ließen, ging es ab unter die Dusche und später in die Freiburger Innenstadt ins Scherazade, arabisch essen. Je nach persönlichen Vorlieben machten danach ein paar Karatekas noch Freiburgs Partyszene unsicher, während andere lieber gemütlich ins Hotel gingen, um für das Training am nächsten Tag bestens ausgeruht zu sein. Andere verabschiedeten sich ganz und fuhren nach Hause – bis zum nächsten Lehrgang, ihr Lieben.

Cassandra Lajko

 

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